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Kopf eines Priesters
  • Kopf eines Priesters
  • Porträt
  • 2. Jahrhundert
  • Ägypten (Qena?) (Land/Region)
  • Kalkstein
  • Höhe: 31 cm
  • Ident.Nr. 4132
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jürgen Liepe
Beschreibung
Multimedia
Dargestellt ist das Gesicht eines jüngeren Mannes mit kahlem Kopf. Sein Haupt krönt ein Blattkranz, auf dem noch Spuren eines goldenen Überzugs zu erkennen sind. In Stirnhöhe war ein Schmuckmotiv aus einem anderen Material eingesetzt. Die Augenhöhlen sind tief eingeschnitten, die äußeren Augenwinkel in altägyptischer Manier leicht nach unten gezogen. Auch sie waren einst mit einem anderen Material - vermutlich Glas - gefüllt. Zwar sind Stirn, Brauen, Wangen und Kinnpartie fein modelliert, aber die lange gerade Nase und die horizontale Kerbe, die den Mund wiedergibt, verleihen dem Gesicht einen eigentümlich leblosen Ausdruck. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt wurde der Kopf einschließlich des vergoldeten Kranzes mit dunkler Farbe überzogen, die sicher nicht ursprünglich ist.
Der Kunsthistoriker Josef Strzygowski stufte dieses rundplastisch ausgebildete Portrait als eines der seltenen Werke ohne architektonische Bestimmung ein. Auf den ersten Blick erinnert der Kopf mit frontal wiedergegebenem Gesicht wegen seines dunklen Farbüberzugs an die aus Porphyr oder Basalt hergestellten Kaiser- oder Priesterbildnisse der römischen Epoche. Sie haben im Gegensatz zu diesem Exemplar individuelle Züge. Wegen dieser vermeintlichen Ähnlichkeit und der Tatsache, dass der Kopfschmuck meist als Lorbeerkranz angesehen wurde, ist das Bildnis des jungen Mannes des öfteren als tetrarchisches oder spätantikes Kaiserporträt gedeutet worden. Bereits um 1940 hegte der Ägyptologe Étienne Drioton Zweifel daran. Ihm folgte später Hans-Georg Severin. Beide sprechen sich überzeugend dafür aus, dass der Kranz vielmehr auf die in Ägypten üblichen Totenkränze zurückgeht. Auch handelt es sich nicht, wie Strzygowski vermutete, um ein rundplastisches Werk, denn auf der Rückseite sind Werkzeugspuren zu erkennen, die dafür sprechen, dass der Kopf von einer Platte die einst den Rücken stützte, abgetrennt worden ist. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Kopf zu einer Grabstatue gehörte, die in einer Nische stand. Die Kahlköpfigkeit lässt darauf schließen, dass der Dargestellte ein Priester war. Gesichtsausdruck und -wiedergabe stehen Grabstatuen römischer Zeit aus den Friedhöfen der mittelägyptischen Städte Oxyrhynchus und Hermopolis Magna am nächsten.

Cäcilia Fluck (2012)


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