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Behangfragment mit Figur
  • Behangfragment mit Figur
  • Ausstattungstextil
  • Martin Rücker von Jenisch (8.6.1861 - 22.9.1924), Sammler
  • verbale Datierung: 5./6. Jahrhundert
  • Ägypten (Land/Region)
  • Wirkerei in Wolle und Leinen auf Leinengewebe
  • 114 x 36 cm (Höhe rekonstruiert)
  • Ident.Nr. 9230
  • 1904 Freiherr Martin Rücker von Jenisch (Schenkung)
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Antje Voigt
Beschreibung
Multimedia
Die beiden Fragmente gehören zu einer großen, in dunkelbraunem Farbton wiedergegebenen Figur, von der Oberkörper sowie Füße mit der unteren Gewandpartie erhalten sind. Mit dem erhobenen rechten Arm schwingt sie ein Paar Krotalen über den geneigten Kopf, den eine gelb-rot gestreifte Kopfbedeckung, vermutlich ein Kranz, über einer schraffierten Wellenfrisur krönt. Von der linken Schulter verläuft ein grünes Gewand schräg über den Oberkörper und lässt dabei die rechte Brust frei. Die Bewegung des Oberkörpers und die Stellung der Füße, die unter dem bis zu den Knöcheln reichenden Gewand hervorlugen, geben die dargestellte Person als Tänzer zu erkennen. Ähnliche Figuren sind in verschiedenen Sammlungen [z. B. in Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. Nr. KTN 531 (DM 51); Recklinghausen, Ikonenmuseum, Inv. Nr. 522; Chemnitz, Kunstsammlungen, Inv. Nr. Ko 200] zu finden. Sie folgen einer gemeinsamen ikonographischen Tradition. Allen gemeinsam sind die rekonstruierte Größe von ca. 110 cm, die dunkle Wiedergabe der Körper, die Löckchen- oder Wellenfrisur, die übergroßen Augen u. a.; einige tragen Girlanden über einer Schulter, andere musizieren. Die dunkle Hautfarbe nimmt nicht, wie mitunter geäußert wurde, Bezug auf den ethnischen Hintergrund der Dargestellten. Sie ist vielmehr ein stilistisches Merkmal der spätantiken Epoche und bei vielen figürlichen Darstellungen auf Textilien belegt.
Die Berliner Tänzerfigur wurde erstmals im Katalog von O. Wulff und W. F. Fritz Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden in den Staatlichen Museen, Berlin 1926, publiziert (S. 9, Taf. 44). Volbach deutete sie als Mänade, eine weibliche Gestalt aus dem Gefolge des Gottes Dionysos. In der Tat ist es schwierig, das Geschlecht der androgyn wirkenden Person zu bestimmen. Krotalen sind typische Attribute weiblicher Tänzer. Allerdings tragen diese in der Regel Ohrgehänge, welche hier fehlen. Um den Oberkörper gewickelte Kleidungsstücke, die eine Brusthälfte frei lassen, kommen sowohl bei weiblichen als auch männlichen Figuren vor.
Solche Gestalten in entsprechender Größe gehörten zum Dekor von Wandbehängen oder Vorhängen. Sie wurden unter Bögen einer Säulenreihe, zwischen Pfeiler oder breite, senkrechte Borten platziert, wie einige größere Fragmente belegen (z. B. Riggisberg, Abegg-Stiftung, Inv. 141; London, British Museum, Inv. EA 43049).

Cäcilia Fluck (2017)


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