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Zylinderbureau mit Aufsatz
  • Zylinderbureau mit Aufsatz
  • Zylinderbureau
  • 1778/1779
  • Faktischer Entstehungsort: Neuwied
  • Technik: Riegelahorn- (grau gefärbt) und Rosenholz furniert, Marketerie in verschiedenen Hölzern, Messing und Bronze vergoldet, Marmor, Beine ergänzt (2006)
  • Höhe x Breite x Tiefe: 153 x 115 x 67,5 cm
  • Ident.Nr. 1910,49
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Stephan Klonk
Beschreibung
Multimedia
Der Möbeltyp des Zylinderbureau‘s nahm in Neuwied lange Jahre die führende Position unter den repräsentativen Schreibmöbeln ein. Statt der schräg gestellten geraden Schreibklappe der Pultschreibmöbel hat es eine gewölbte Schiebeklappe, die der Bogenform eines Viertelzylinders folgt. Diese gewölbte Klappe ist bei fortgeschrittenen Ausführungen so mit der darunter befindlichen Schreibplatte verbunden, dass sie sich gleichzeitig mit dem Hervorziehen dieser Schreibfläche öffnet und im Bogen hinter dem Pultinneren im Möbelkorpus verschwindet. Der Möbeltyp bietet eine bequeme Handhabung und den Vorteil, dass auf der Schreibfläche auch im geschlossenen Möbel Papiere und Schreibutensilien liegen gelassen werden können, was bei den Klapppulten nicht möglich ist.
Das Berliner Exemplar gehört zu einer kleinen Gruppe von frühklassizistisch gestalteten Zylinderbureaus mit chinoisem Motivrepertoire. Der für den Möbeltyp ungewöhnlich hohe Aufsatz verleiht ihm zusammen mit dem sehr ähnlichen Petersburger Exemplar eine besondere Stellung, an der seine reiche Ausstattung mit vorzüglichen Marketerien reichen Anteil hat.
Mit der Einführung der „Chinesischen Figuren“ in den Motivschatz der Marketerien folgten die Roentgens Ende der 1760er Jahre dem Rokoko, das mit dieser Mode seine Vorliebe für die fernöstliche Welt entdeckt hatte. Als „chinois“ wurden dabei nicht nur die sehnsüchtig betrachteten fernen Motive mit ihren orientalischen Gestalten, tropischen Vögeln und Pflanzen, oder die importierten Waren wie Porzellan und oder Tee bezeichnet, sondern auch die für europäische Augen ungewohnt spannungsvolle Bildkomposition, die auf die perspektivische Staffelung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund weitgehend verzichtet, Architekturen dem Blick öffnet und sie mit Landstücken wie schwebend in den Flächenraum setzt. Die Entwürfe für die Chinoiserien stammten von Malern wie Januarius Zick oder Johannes Juncker, die Druckgraphiken nach François Boucher (1703-1770) oder Jean Pillement (1728-1803) als Vorbilder verwendeten. Diese fanden ihren Weg in die Werkstätten über Vorlagenbüchern wie The Ladies Amusement des Londoner Verlegers Robert Sayer. Diese äußerst erfolgreiche Vorlagensammlung erschien 1760, 1762 und 1771 und zeigte unter den mehr als 1.500 in Kupferstich gesetzten Zeichnungen eine ganze Serie von Chinoiserien und Papageien. In den Tafeln finden sich unmittelbare Motivvorlagen für die Neuwieder Marketerien und sie prägen zugleich deren dekorativen Charakter, der ein beliebiges Arrangement einzelner Elemente möglich macht.
ASt


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