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  • Rundbogen
  • 16./17. Jahrhundert (?)
  • Entstehungsort stilistisch: Frankreich (Land)
  • Kalkstein
  • 69 x 86 x 4 cm
  • Ident.Nr. 8645
  • Ende März 1943 von O. Wery-Godart in Paris erworben.
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Skulpturensammlung
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Dr. Tobias Kunz
Beschreibung
Die flache, rundbogige Platte besitzt insgesamt acht Öffnungen: unten vier größere Rundbögen auf Säulchen, oben zwei etwas kleinere, ansonsten identisch gebildete Arkaden, flankiert von je einem Okulus. Über einer horizontalen Begrenzung eine Wellenlinie, die wohl Wasser andeuten soll, und seitlich der unteren Fensterreihe befinden sich je drei Bäume, darüber eine gezackte Linie und je drei Kübelpflanzen, anschließend im Bogenfeld außen jeweils zwei Schiffe, zwischen die augenförmige Gebilde, wohl Fische, den maritimen Hintergrund markieren. Zwischen den Fensterreihen, in den drei Zwickeln der unteren Arkaden, sind Kreise mit eingeschriebenen Kreuzen (lanzenförmige Enden) platziert, die sich als mittleres Gewächs einer dreistrahligen Pflanze mit seitlichen Stängeln entpuppen. Den oberen Abschluss stellt ein ähnliches Gewächs dar, das anstelle der Kreise ein weiteres Blatt in der Mitte zeigt, und zwischen dessen Stängel zwei dreizackige Kronen eingefügt sind. Die Symbolik ist unverkennbar christlich geprägt, die einer Pflanze entwachsenen Kreise mit eingeschriebenen Kreuzen können als Hinweise auf die verlebendigte Hostie verstanden werden, die Fische als Christussymbol. Auffällig ist die starke Präsenz der Schiffe, die vielleicht nicht christologisch zu deuten, sondern den Entstehungsumständen geschuldet sind.

Die geringe Tiefe der Platte und der relativ gute Erhaltungszustand legen die Platzierung in einem Innenraum, aufgrund der Darstellungen sicher ein sakraler, nahe. Die Schiffsmotivik spricht dafür, dass sich der Ort in Küstennähe befunden hat. Es handelt sich hingegen mit einiger Sicherheit um kein hochmittelalterliches Werk. Die gedrängten Reliefs, die Überfülle symbolischer Ornamentik und vor allem die Darstellung dreimastiger Schiffe, die es in Europa vor dem Spätmittelalter nicht gegeben hat, zeigen dies unmissverständlich. Vielmehr scheint der Bogen ein Werk der Volkskunst zu sein, vielleicht aus dem 17. Jahrhundert.


(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)


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