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Kindertunika
  • Kindertunika
  • Kleidung
  • Georg Schweinfurth (29.12.1836 - 19.9.1925), Ausgräber
  • 7.-9. Jahrhundert
  • Fundort: Ägypten, Faijum: Arsinoe/Krokodilopolis, aus den Scherbenhügeln
  • Grundgewebe aus Leinen, Leinwandbindung; Borten aus Wolle und Leinen, Leinwandbindung mit Lancierschüssen
  • 29,5 x 37 cm und 2 x 9 cm
  • Ident.Nr. 94/2015
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Antje Voigt
Beschreibung
Die langärmelige Tunika aus ungefärbtem Leinen passte einem Baby bis zu etwa einem Jahr. Vom Rückenteil (auf der Abbildung oben liegend) sind heute nur noch die Seitenpartien entlang der Nähte und die Halsborte mit Resten des Grundgewebes erhalten. Beim Vorderteil fehlt die Brustpartie. Das Gewebe ist insgesamt fleckig und weist mehrere Löcher und Risse auf. Die kleine Tunika ist nicht restauriert worden, sondern zeigt vielmehr den Zustand, in dem der Ausgräber Georg Schweinfurth (1836-1925) sie vor mehr als 100 Jahren in Arsinoë, der Hauptstadt des Faijum fand.
Sie ist aus drei Teilen zusammengefügt worden. Vorder- und Rückenteil wurden zuvor in einem Stück zugeschnitten. Im Gegensatz zu den in Form gewebten Tuniken verläuft die Kette hier vertikal. Die Ärmel bestehen aus einem rechteckigen Gewebeteil, das mit einer Kappnaht an die Armöffnung des Vorder- und Rückenteils genäht wurde; dabei wurde das Gewebe am oberen Abschluss leicht gekräuselt. Danach faltete man das Gewebeteil in der Mitte und schloss anschließend Tunikaseiten und Ärmel in einem Arbeitsgang ebenfalls mit einer Kappnaht. Unter der Achsel blieb ein Bewegungsschlitz mit sorgfältig gesäumten Kanten offen. In das Vorder- und Rückenteil wurde eine Halsöffnung mit vorne halbrunder und hinten gerader Kante geschnitten. Auf Höhe einer der Schultern sind, wie links im Bild zu sehen, Verschlusskordeln angebracht. Die halbrunde vordere Kante des Halsausschnitts ist mit einer dunkelblauen Borte mit hellem Muster besetzt, die sich rechts horizontal auf der Schulter fortsetzt. Eine entsprechende Borte verläuft über die gerade Kante am Rückenteil und reicht ebenfalls bis weit auf die Schultern. Im getragenen Zustand lagen die Bortenenden auf dem Vorder- und Rückenteil im Schulterbereich also parallel zueinander. Die Ärmelsäume sind mit den gleichen Borten besetzt, bei deren Aufnähen das Grundgewebe der Ärmel leicht gefältelt wurde. Alle Borten sind mit wechselständigen, verschachtelten Dreiecken und Halbkreisen verziert. Die Halbkreise sind aus gegenständigen Sicheln und kleinen Dreiecken am Scheitelpunkt gebildet. In der Mitte liegt je ein kleines Dreieck.
Tuniken und Kleider aus Leinen mit sehr ähnlichen, durch Lancierschüsse gemusterte Borten sind in Arsinoë mehrfach gefunden worden. Etliche Beispiele befinden sich heute im Museum für Byzantinische Kunst in Berlin. Angenähte Ärmel sind ein Kennzeichen von zugeschnittenen Kleidern mit ausgestellten Seiten (z. B. MBK Inv. 9988). Für Tuniken mit geraden Seiten wie hier sind sie eher untypisch.

Literatur: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil. Spielzeug - Kleidung - Kinderbilder aus Ägypten in den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 2009, S. 16-18, Nr. 3

(Cäcilia Fluck 2017)


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