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Stuckfragment
  • Stuckfragment
  • Architekturelement
  • 2. Viertel 12. Jahrhundert
  • Historischer Standort: Gerbstedt, Sachsen-Anhalt (Stadt)
    Entstehungsort stilistisch: Sachsen (Region)
  • Stuck
  • Höhe: 14,5 cm
    Breite: 12,5 cm
    Tiefe: 8 cm
  • Ident.Nr. AE 408
  • Erworben 1915 vom Sächsischen Provinzialmuseum Halle. Laut Inventarkatalog des Thüringisch-Sächsischen Altertumsvereins waren die Fragmente 1888 als Geschenk der Familie Karl Bergers, erster Chronist und Bürgermeister von Gerbstedt (amt. 1851–81), dorthin gelangt. Sie stammen ursprünglich aus der im frühen 19. Jahrhundert abgerissenen Kirche des Benediktinerinnenklosters Gerbstedt (Lks. Mansfeld-Südharz) und waren beim Bau eines Schulhauses 1869 gemeinsam mit anderen Stuckfragmenten ans Tageslicht gekommen, die man damals jedoch wieder in den Boden zurücklegte.
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Skulpturensammlung
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Dr. Tobias Kunz
Beschreibung
Das Fragment zeigt eine Hand, die ein Gefäß in die Höhe hält. Es wurde im Ostteil der Gerbstedter Klosterkirche St. Johannis ausgegraben.
Von der heute gänzlich verschwundenen Kirche wissen wir unter anderem einiges aus den nicht umgesetzten Plänen von 1710 zum Neuaufbau nach Einsturz des Langhauses 1650. Die Kirche war nur notdürftig instand gesetzt und nach Zusammenbruch des Südturms 1805 schließlich gänzlich abgetragen worden. Offensichtlich hat es unter dem erhöhten Chor eine Krypta gegeben, auf deren „Fußboden 2 Fuß tief unter dem Kirchenfußboden“ man 1869 die Stuckteile mitsamt einem Säulenfragment und Grabstein fand. Diese etwas dürftige Beschreibung lässt offen, ob die Stuckreste zu einer Chorschranke oder zu einer Wandverkleidung in der Krypta gehört haben.
Bei den Gerbstedter Fragmenten handelt es sich zweifellos um die Überreste eines der wichtigsten sächsischen Stuckensembles des 12. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung besteht zum einen in der Beibehaltung eines Motivrepertoires, das sich bereits kurz nach 1100 an den Schrankenfragmenten der Quedlinburger Stiftskirche findet, zum anderen in der offensichtlich hier erstmals im Harzraum realisierten Folge relativ großformatiger Passionsszenen im Relief. Anhaltspunkte für eine Datierung bietet zunächst die Geschichte des Klosters selbst, d. h. die sehr wahrscheinliche Errichtung einer neuen Kirche ab 1118, mit deren Fertigstellung und Ausstattung mit Chorschranken wohl bis zur Jahrhundertmitte gerechnet werden kann.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)


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