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Totenschild für Ludwig von Plenzenau zu Wildenholzen (gest. 1405) aus der Benediktinerklosterkirche Ebersberg bei München
  • Totenschild für Ludwig von Plenzenau zu Wildenholzen (gest. 1405) aus der Benediktinerklosterkirche Ebersberg bei München
  • Totenschild
  • 2. Hälfte 15. Jahrhundert
  • Entstehungsort: Oberbayern
  • Lindenholz und Fichtenholz
  • 90,5 x 88 x 4,5 cm
  • Ident.Nr. 6/2013
  • Erwerbungsumstände unklar; 2013 neu inventarisiert. Auf einem am Rand aufgeklebten Schild ist die Inventarnummer AE 316 verzeichnet, die jedoch im Inventarbuch an einen italienischen Kredenzschrank vergeben wurde; auch an anderer Stelle im Buch taucht der Totenschild nicht auf. Früher befand sich der Schild im Besitz des Berliner Heraldikers und Kunsthistorikers Friedrich Warnecke (1837–1894), der ihn aus dem Münchener Kunsthandel erworben hatte. Nicht belegt, aber sehr wahrscheinlich ist die ursprüngliche Herkunft aus der Benediktiner-Klosterkirche Ebersberg östlich von München, wo sich die Grablege der Pienzenauer befand.
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Skulpturensammlung
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Antje Voigt
Beschreibung
Es handelt sich um einen gemalten Schild ohne plastische Applikationen. Auf dem roten Grund erscheint das tartschenförmige Wappen der Pienzenauer: auf weißem Grund mit dünnen schwarzen Ranken ein horizontal nach links oben verlaufender schwarzer Balken mit drei goldenen Kugeln. Darüber sitzt, nach links gerichtet, ein goldener heraldischer Helm mit girlandenartig über den Grund gebreiteter Decke (außen weiß, innen schwarz). Als Helmzier dient die gleichfalls nach links gerichtete Büste eines Mannes mit langem hellen Kinnbart und fantastischer Kopfbedeckung, die aus einer breiten schwarzen Krempe mit drei goldenen Kugeln, einem hohen weißen Kegel und Krone sowie einem abschließenden schwarzen Federbusch besteht. Wappen und Deckenranken werfen Schatten auf den roten Grund. Die Umschrift in schwarzen Minuskeln (worttrennende Punkte rot) auf hellgelbem Grund lautet: „Als • man hat • gezalt m° • cccc° • vnd v • jar • an • samstag • nach • martini hat de’ • edl gestreng • her ludwig • pientzenave • zv • Wildenholtzen gestift • diese mess • dem • got • genad“. Hier klingt ausnahmsweise der Zusammenhang von Totenschild und Seelenmesse an, der ansonsten immer nur vermutet, aber kaum belegt werden kann. Der Schild besitzt daher – unabhängig von seiner tatsächlichen Entstehungszeit – einige Bedeutung für die Gattung.

Die Pienzenauer zu Wildenholzen und Zinneberg waren ein altes bayerisches Turnieradelsgeschlecht. Schon vor 1000 im Gebiet von Wasserburg am Inn nachweisbar, waren sie im Laufe des 14. Jahrhunderts in den Besitz ihrer neuen Stammburgen Zinneberg und Wildenholzen gekommen und somit im Gebiet um Ebersberg zur mächtigsten Adelsfa milie aufgestiegen. Das Benediktinerkloster Ebersberg barg nicht nur ihre Grablege, sondern war um 1400 auch bei den Pienzenauern hoch verschuldet.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)


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