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Weihrelief attischer Wäscher und Wäscherinnen
  • Weihrelief attischer Wäscher und Wäscherinnen
  • Weihrelief (Skulptur / Relief)
  • Mitte 4. Jh.v.Chr.
    Genauer: 350 v.Chr. - 340 v.Chr.
  • Fundort: Stadion (Griechenland / Attika / Athen)
  • Marmor
  • Objektmaß: 40,5 x 44 x 9 cm
  • Ident.Nr. SK 709
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Ingrid Geske
Description
Im 4. Jahrhundert v.Chr. hatten die attischen Weihreliefs ihre größte Blüte und Verbreitung . Die Auftraggeber kamen häufig aus einer durch wirtschaftliche Krisen verarmten Mittelschicht (Handwerker, Gewerbetreibende und Kleinbauern), der auch Personen angehörten, die nicht die Vollbürgerschaft besaßen. Die Reliefweihungen richteten sich vor allem an Götter, denen die Fruchtbarkeit und das persönliche Wohlergehen anvertraut waren - an den Heilgott Asklepios, die Fruchtbarkeitsgöttinnen Demeter und Kore und an Naturgottheiten, wie die Segen und Fruchtbarkeit spendenden Nymphen.
Letztere besaßen in Athen und Attika viele Kultstätten. Ihre Verehrung war wie die des Pan, des Schutzgottes der Hirten und des Kleinviehs, besonders verbreitet. Diese Kultgemeinschaft schloss auch Hermes, den Vater des Pan, als Anführer des Nymphenreigens und Gott der Herden mit ein.
Das Weihrelief wird durch einen horizontalen Streifen, der die Weihinschrift trägt, in zwei Reliefzonen unterteilt. Die in der Inschrift als Stifter des Reliefs genannten Wäscher und Wäscherinnen übten ihre Tätigkeit am Fluss Ilissos, der in Stadionnähe verlief, aus. Bei den Stifternamen fehlt das Demotikon (die Angabe des Heimatdemos) durchgängig; die meisten geben auch den Vatersnamen nicht an, was nahe legt, dass es sich bei ihnen um Sklaven handelt.

Die Begrenzung des kleineren oberen Bildfeldes deutet eine Felsgrotte an, die den Kultort vergegenwärtigen soll. In ihr bewegt sich Hermes, einen Reigen von drei Nymphen anführend, auf den bärtigen, Stierhörner tragenden Kopf des Flussgottes Acheloos zu, der den Ort als Quellgrotte kennzeichnet. Sowohl der bis auf eine Chlamys nackte Hermes, in dessen erhobener rechter Hand wohl ein ursprünglich gemaltes Kerykeion zu ergänzen ist, als auch die Nymphen erscheinen nur als Halbfiguren. Den Abschluss der Szene bildet rechts der Syrinx blasende bocksbeinige Pan.
Das Zentrum des größeren unteren Bildfeldes nimmt ein übereck gestellter Altar ein. Diesem nähert sich von links ein bärtiger Mann, der ein Pferd am Zügel führt. Hinter dem Altar erwarten ihn zwei weibliche Gottheiten. Die sitzende matronale Gestalt, deren erhobene rechte Hand wahrscheinlich ein gemaltes Szepter trug, ist die Darstellung einer Muttergottheit (Demeter/Meter). Die jugendliche Göttin, die in beiden Händen eine Fackel hält, wird als Kore, die Tochter der Demeter, oder Artemis-Hekate, die Helferin der Meter und Beschützerin der Berufe, gedeutet. Die Benennung des mit einem kurzen gegürteten Chiton und einer Chlamys bekleideten Mannes ist unsicher. Es ist möglich, dass es sich um einen Heros handelt, sei es ein Lokalheros oder ein Schutzheros der Wäscherinnung, der als Fürsprecher der Stiftenden vor die Gottheiten tritt.
Das Übereinander der beiden Bildfelder hat man mit der topographischen Nähe zweier Kultstätten erklärt. Die Darstellung im oberen Bildfeld wurde mit einem bei Platon beschriebenen und am linken Ilissos-Ufer gelegenen Heiligtum des Pan, des Acheloos und der Nymphen in Verbindung gebracht. Ebenfalls am linken Ufer des Ilissos befindet sich das Metroon von Agrai, in dem das Fest der Kleinen Mysterien - eine Vorbereitung auf die der Demeter und Kore geltenden Mysterien von Eleusis - stattfanden.


Die Antikensammlung. Altes Museum, Pergamonmuseum 3. Aufl. (2007) S. 167 Nr. 96 (S. Brehme).


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