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Menschenpaar (Homo-Sapiens-Tafeln)
  • Menschenpaar (Homo-Sapiens-Tafeln)
  • Bild & Diptychon
  • Max Slevogt (8.10.1868 - 20.9.1932), Maler
  • 1894-1895
  • Öl auf Leinwand
  • je 161,5 x 74,5 cm
  • Ident.Nr. B 1023
  • 1956 Ankauf aus dem Besitz des Stadtbezirkes Berlin-Schöneberg für die Galerie des 20. Jahrhunderts
  • 1956 erworben durch das Land Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Objektverknüpfungen
1893 reüssierte Max Slevogt auf der Ausstellung der Münchner Secession mit dem Gemälde »Ringerschule« (Max Slevogt-Galerie, Schloß Villa Ludwigshöhe, Edenkoben), 1894 folgte das Diptychon »Homo Sapiens« oder »Menschenpaar«, zwei weitere Aktdarstellungen, dieses Mal vordergründig biblischen Inhalts. Die Studie eines weiblichen Rückenaktes auf der Rückseite des rechten Diptychonflügels verdeutlicht, welch großes Interesse Slevogt damals dem menschlichen Körper zumaß. Das Diptychon selbst zeigt in dunkler, schwarzbrauner Tonigkeit und rascher Pinselschrift zwei nahezu lebensgroße Akte in leichter Untersicht: Adam und Eva nach dem Genuß der verbotenen Frucht, sich ihrer eigenen Nacktheit nun bewußt. Adam mit einem Schurz aus Blättern, eine rote Blume lässig zwischen den Lippen haltend und die Hände selbstsicher in die Seiten gestützt, blickt auffordernd zu Eva, die in gerader Haltung dem Betrachter zugewandt die Hände vor ihren Schoß übereinandergelegt hat. Als letzte Würdeformel hat Slevogt am oberen Bildrand eine rundbogige Architektur angedeutet, ansonsten bricht die Darstellung des allzu menschlichen ersten Menschenpaars ironisch mit der Bildtradition. Karl Scheffler veranlaßte dies später dazu, das Werk als »Scherz« zu bezeichnen (Max Slevogt, Berlin 1940, S. 34). Slevogt reagierte aber eher auf Arnold Böcklin, der in seinen Bildern jene robusten, unbesorgten Menschen entwarf, die Slevogt so bewunderte. Doch die Kritik, die sich schon 1879 über Max Liebermanns naturalistische Interpretation des zwölfjährigen Jesu im Tempel (Hamburger Kunsthalle) erbost hatte, entrüstete sich auch hier ob der naturalistischen Malweise. »Man schrie über diese brutale Malerei, über diese gewöhnliche Auffassung des nackten Menschen«, erinnerte sich Hans Rosenhagen. »Dennoch hinterließ das Werk einen gewissen Eindruck« (Die Kunst für Alle, 21. 1905, H. 6, S. 128). Eine Studie zur Darstellung der Frau (Deckfarben, 46 × 20,3 cm) befindet sich in der Sammlung F.-J. Kohl-Weigand, St. Ingbert. | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts oben (auf der linken Tafel): DER [nicht mehr sichtbar]; sowie links oben (auf der rechten Tafel): MENSCH [nicht mehr sichtbar]; rechts unten: 94 / M. Slevogt

AUSSTELLUNGEN
– Internationale Kunst-Ausstellung des Vereins bildender Künstler München "Secession", München, Ausstellungsgebäude Prinzregentenstraße, 1895
– Münchener Jahres-Ausstellung, München, Glaspalast, 1895
– Max Slevogt (Manet, Degas, Puvis de Chavannes), Berlin, Paul und Bruno Cassirer, 15.10.-1.12.1899

LITERATUR
– Alten 1926: Wilken von Alten, Max Slevogt, Bielefeld, Leipzig, Velhagen & Klasing, 1926, S. 6, 14, Abb. 9
– Ausst.-Kat. Berlin 1899: Ausstellung von Werken von Édouard Manet, H.-G.E. Degas, P. Puvis de Chavannes, Max Slevogt, Ausst.-Kat. II. Jahrgang der Kunst-Ausstellungen, Berlin, 15.10.-1.10.1899, Kat.-Nr. 52
– Ausst.-Kat. Kaiserlautern 1966: Max Slevogt. Religiöse Werke, Ausst.-Kat. Kaiserslautern Pfalzgalerie, 29.1.-20.2.1966, Kat.-Nr. 1, Abb. S. 50.
– Ausst.-Kat. München 1895: Offizieller Katalog der Internationalen Kunst-Ausstellung des Vereins bildender Künstler Münchens "Secession", Ausst.-Kat. Ausstellungsgebäude Prinzregentenstraße, München, 1895, 7. Aufl., S. 31, Kat.-Nr. 303
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 2, S. 763, Kat.-Nr. 2
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 202
– Goering 1941: Max Goering, Max Slevogt, sechzig Bilder, Königsberg, Kanter, 1941
– Guthmann 1920: Johannes Guthmann, Scherz und Laune: Max Slevogt und seine Gelegenheitsarbeiten, Berlin, Paul Cassirer, 1920, S. 51
– Imiela 1968: Hans-Jürgen Imiela, Max Slevogt. Eine Monographie, Karlsruhe, Braun, 1968, S. 35 f., 354 Anm. 39
– Jannasch 1953 ff.: Adolf Jannasch, Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin 1953, 1958, 1960, 1963, 1958, S. 28 f., Kat.-Nr. 165/166
– Jannasch 1953 ff.: Adolf Jannasch, Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin 1953, 1958, 1960, 1963, 1963, S. 42, Kat.-Nr. 211/212
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 796 mit Abb.
– Rosenhagen 1905: Hans Rosenhagen, Max Slevogt, in: Die Kunst für Alle, 21. Jg. (1905), H. 6 (15. Dez.), S. 123-132, S. 128, Abb. S. 127
– Rosenhagen 1908: Hans Rosenhagen, Max Slevogt, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 22. Jg. (1908), Bd. 2, H. 7 (März), S. 1-16, S. 12
– Scheffler 1940: Karl Scheffler, Max Slevogt, Berlin, Rembrandt-Verlag, 1940, S. 34
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 31, 1937, S. 133
– Voll 1912: Karl Voll, Max Slevogt. 96 Reproduktionen nach seinen Gemälden, München, Leipzig, Müller, 1912, S. 13, Taf. 13
– Waldmann 1923: Emil Waldmann, Max Slevogt, Berlin, Cassirer, 1923, S. 42


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