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Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm
  • Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm
  • Bild
  • Elisabeth Jerichau-Baumann (27.11.1818 - 11.7.1881), Malerin
  • 1855
  • Öl auf Leinwand
  • 63 x 54 cm
  • Ident.Nr. A I 663
  • 1876 Geschenk von Prof. Dr. Herman Grimm, dem Sohn des dargestellten Wilhelm Grimm
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
»frau Jerichau, deren mann ein bildhauer ist, ersuchte uns, mich und meinen bruder, ihr zu sitzen […]. das bild in lebensgröße scheint gelungen und ist jetzt auf der ausstellung [i. e. Berliner Akademieausstellung] zu sehen« (W. Grimm, in: Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Bd. 5, Stuttgart 2007, S. 446, Nr. 308). Mit diesen Worten faßte Wilhelm Grimm am 14. Mai 1855 für den Verleger Salomon Hirzel die Entstehungsgeschichte des heute ikonischen Doppelbildnisses der Brüder Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) bündig zusammen. Die Brüder saßen Elisabeth Jerichau-Baumann seit dem 1. Mai 1855 für sechs Tage Modell, ungewöhnlich lang angesichts des Arbeitspensums der beiden Wissenschaftler, die nicht zuletzt aus Zeitgründen andere Porträtanfragen bereits ausgeschlagen hatten. Doch die Malerin, die schon in Italien mit dem Mäzen August Kestner, mit Adele Schopenhauer und Fanny Lewald bestens vernetzt gewesen war, hatte auch in Berlin bald Eingang in wichtige gesellschaftliche und künstlerische Kreise gefunden. Sie war bei der Familie Meyerheim zu Gast, mit Adolph Menzel sowie Herman und Auguste Grimm bekannt.
Die Brüder Grimm besuchten die Malerin am 29. April 1855 in Berlin, um, so Wilhelm Grimm in seinem Tagebuch, »ihre Bilder zu sehen« (zit. nach der Kopie in der Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel, Humboldt-Universität zu Berlin). Jerichau-Baumann, deren Arbeit Peter Cornelius 1848 zu dem lobenden Ausruf veranlaßt hatte, sie sei der einzige Mann der Düsseldorfer Malerschule (vgl. Richard Muther, Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert, Bd. 3, München 1894, S. 231), muß die Brüder bei diesem Besuch künstlerisch überzeugt haben. Die Komposition des Bildnisses und die Inszenierung der Dargestellten dürften von den Brüdern dennoch maßgeblich mitbestimmt worden sein. Die strenge Profilansicht Jacob Grimms, eine in der Romantik für Freundschaftsbildnisse beliebte Darstellungsform, findet sich beispielsweise bereits in den 1840er Jahren in vielen Porträtzeichnungen des Bruders Ludwig Emil Grimm (vgl. das auch als Radierung verbreitete, bekannte Doppelbildnis von 1843, Historisches Museum, Hanau).
Jerichau-Baumann schickte das Bild zunächst in die Akademieausstellung nach Berlin und holte es danach zu sich nach Kopenhagen. »Das Original Bild ist meinem lie[ben] Manne und mir ein wahrer Schatz, für mich von doppelter Bedeutung als Zeichen Ih[res] besonderen Wohlwollens gegen mich, und ha[t] hier nebst dem Interesse für den Gegenstand bei meinen Freunden sowohl [als auch] bei allen Kunstverständigen allgemeine Anerkennung gefunden«, schrieb sie am 5. November 1855 den Brüdern (Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung, Nachl. Grimm 1184) und sandte ihnen zum Dank eine in schwarzer und weißer Kreide ausgeführte Wiederholung des Bildes (55 × 65 cm, heute Bergwinkelmuseum, Schlüchtern). Das Ölbild wurde 1876 von Herman Grimm, nach Anfertigung eines neuen Zierrahmens (vgl. den Brief von H. Grimm, SMB-ZA, I/NG 988, Journal-Nr. 1876/671), an die Nationalgalerie übergeben. | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: E Jerichau / 1855.

AUSSTELLUNGEN
– Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im ehemaligen Kronprinzenpalais, Aug. - Sept. 1936
– Deutsche Romantiker. 85 Gemälde der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Celle, Zonal Fine Arts Repository Schloß Celle, 1.5.-17.7.1949
– Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, Berlin (West), Nationalgalerie, 26.3.-7.5.1961
– Aspekte deutscher Kultur. Zeugnisse aus 800 Jahren deutscher Geschichte, Berlin, Stiftung Deutschlandhaus, 1974-1976
– Weltliteratur, Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes, Marbach, Deutsche Schillergesellschaft, Schiller-Nationalmuseum, 1982
– Die Göttinger Sieben: Ihr Wirken und ihre Nachwirkung, Göttingen, Städtisches Museum, 27.01.-13.04.2008

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1936: Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Ausst.-Kat. National-Galerie, Kronprinzenpalais Berlin 1.8.-30.9.1936, Kat.-Nr. 218 mit Taf.
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, hrsg. v. Nationalgalerie, Ausst.-Kat. Orangerie Schloss Charlottenburg, Berlin 26.3.-7.5.1961, S. 23, Kat.-Nr. 56
– Ausst.-Kat. Berlin 1992: Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, hrsg. v. Dietmar Fuhrmann, Ausst.-Kat. Berlinischen Galerie 11.9.-1.11.1992, S. 227, Farbabb. 257
– Ausst.-Kat. Berlin 1997: Wahlverwandtschaft. Skandinavien und Deutschland 1800 bis 1914, hrsg. v. Bernd Henningsen, Janine Klein u.a., Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum, Berlin 25.10.1997-6.1.1998; Nationalmuseum Stocklholm 17.2.-24.5.1998; Norsk Folkemuseum Oslo 13.8.-31.10.1998, Farbabb. S. 45
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Im Tempel der Kunst. die Künstlermythen der Deutschen, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 1.10.2008-18.1.2009, S. 68/70
– Ausst.-Kat. Celle 1949: Deutsche Romantiker. 85 Gemälde der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Schloss Celle 1.5.-30.6.1949, S. 21, Kat.-Nr. 38
– Ausst.-Kat. Düsseldorf 1994: Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Kunsthalle Düsseldorf 5.11.1994-29.1.1995; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 23.2.-7.5.1995; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin 5.-7.1995, Abb. S. 16
– Ausst.-Kat. Hellerup 1997: Elisabeth Jerichau-Baumann, Ausst.-Kat. Øregaard Museum, Hellerup, 13.9.-14.12.1997; Fyns Kunstmuseum, Odense, 23.1.-13.4.1998, S. 18 mit Abb.
– Ausst.-Kat. Kiel 1981: Vor hundert Jahren: Dänemark und Deutschland 1864-1900, Gegner und Nachbarn, hrsg. v. Jens Christian Jensen, Ausst.-Kat. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, 31.7.-6.9.1981; Kunstmuseum, Arhus, 19.9.-18.10.1981; Kunsthalle zu Kiel 8.11.-27.12.1981; Orangerie Schloß Charlottenburg, Berlin, 10.1.-14.2.1982, S. 160 mit Abb.
– Ausst.-Kat. Kopenhagen 1981: For hundrede år siden: Danmark og Tyskland 1864-1900. Modstandere og naboer, hrsg. v. Ingeborg Kähler und Jørn Otto Hansen, Ausst.-Kat. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen 1981, Bd. 2, Taf. S. 149
– Ausst.-Kat. Stockholm 1998: Skandinavien och Tyskland 1800-1914. Möten och Vänskapsband, hrsg. v. Bernd Henningsen, Janine Klein u.a., Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum, Berlin; Nationalmuseum, Stockholm 27.2.–24.5.1998; Norsk folkemuseum, Olso, Farbabb. S. 45
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 103, Abb. 167, S. 315
– Heller/Ehrlich 1967: Peter Heller und Edith Ehrlich, German fiction and poetry, New York, Macmillan, 1967, Abb. 6
– Hütt 1964: Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule 1819-1869, Leipzig, Seemann, 1964, S. 66, 106, 172, Abb. 35, S. 67
– Mackowsky 1913: Hans Mackowsky, Führer durch die Bildnis-Sammlung der Königlichen Nationalgalerie, Berlin, Cassirer, 1913, S. 109 f., Kat.-Nr. 99
– Mackowsky 1929: National-Galerie. Führer durch die Bildnis-Sammlung, bearb. v. Hans Mackowsky, Berlin, Hermann, 1929, S. 153 f., Kat.-Nr. 109
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1900-1908, Kat.-Nr. 757
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 186 f. mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 406 mit Abb.
– Schmidt-Liebich 2005: Jochen Schmidt-Liebich, Lexkon der Künstlerinnen 1700-1900, Deutschland, Österreich, Schweiz, München, Saur, 2005, vgl. Sp. 216-218
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 18, 1925, S. 530


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