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Herbstmorgen im Sabiner-Gebirge
  • Herbstmorgen im Sabiner-Gebirge
  • Bild
  • Heinrich Dreber (9.1.1822 - 3.8.1875), Maler
  • um 1860/1870
  • Öl auf Leinwand
  • 183,5 x 267 cm
  • Ident.Nr. A I 228
  • 1879 Ankauf aus dem Nachlaß des Künstlers von dessen Witwe Faustina Bruni Dreber und dessen Sohn Fortunato Dreber
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Die tragische Geschichte dieser großangelegten Darstellung einer Landschaft aus den Sabiner Bergen schilderte Friedrich Preller, der das Werk erstmals 1860 im römischen Atelier des Künstlers sah: »Der Gesamtcharakter jenes malerischen Stücks Erde war mit überzeugender Treue zum Ausdruck gebracht. Es schien nur wenig an der Vollendung zu fehlen. Dennoch ist das großartige Kunstwerk als verloren zu betrachten. Dreber änderte im Laufe der Jahre immer wieder daran, bis er, krank und ermüdet, es endlich für fertig erklärte und nach Deutschland schickte. Unsere Bemühungen, es für Weimar oder Dresden zu gewinnen, scheiterten, da es allerdings durch wiederholte Übermalung ziemlich trüb und für seinen Umfang wirkungslos geworden war, wenn auch die großen Qualitäten, die es besaß noch immer zur Geltung kamen. Schließlich ließ es der Künstler nach Rom zurückkommen und im Verdruß über den Mißerfolg ging er leider von neuem daran und strich es derart zusammen, daß es beinahe ungenießbar wurde. Es befindet sich jetzt in der Nationalgalerie in Berlin« (zit. nach: M. Jordan, Friedrich Preller der Jüngere, München 1904, S. 57). Das Bild, 1859 begonnen, war zum Jahresende 1859 nahezu fertig (vgl. R. Schöne, Heinrich Dreber, Berlin 1940, S. 167), doch Dreber malte an ihm weiter.
1868 entwickelten Freunde den oben erwähnten Plan, den »Herbstmorgen im Sabiner-Gebirge« dem Großherzog von Weimar anzubieten. Nach dessen Ablehnung ging das Bild im Februar 1868 nach Leipzig und im Sommer auf die Dresdner Akademieausstellung. Über Minister von Friesen bemühte sich Richard Schöne vergeblich um einen Ankauf durch den sächsischen König. Das Bild ging weiter zur Berliner Akademieausstellung, es fand eine wohlwollende Besprechung durch Anton Springer (Preußische Jahrbücher, 24. Jg., 1869, S. 629 f.), blieb jedoch unverkauft. 1869 war es ohne Drebers Wissen auf der Internationalen Kunstausstellung in München zu sehen. Anfang 1870 kehrte das Bild nach Rom zurück; am 15. Juli 1870 schrieb Dreber an einen Freund: »[...] habe mein unglückliches Wanderbild fast ganz und wie mir’s scheint, zu seinem Vortheil übermalt und habe denn auch vor diesem wunderlichen Zeugnis trüber Zeiten und Stimmungen Ruhe; wenigstens dünkt mich mein Verfahren so würdiger als mein anfänglicher Entschluß, es zu vernichten« (zit. nach: Schöne, ebd., S. 168).
Das vielfach übermalte Bild wurde schließlich unter dem nunmehrigen Generaldirektor Schöne von der Nationalgalerie aus der Nachlaßausstellung erworben und in die Ausstellung übernommen. Dort zeigten sich nach einiger Zeit starke Farbverschiebungen infolge ungenügender Austrocknung einzelner Farbschichten und zu starken Gebrauchs von Asphaltfarben, so daß es wieder abgehängt werden mußte. Es stellt in seiner düsteren Farbigkeit und mit den verrutschten, faltigen Farbschichten heute ein eindrucksvolles Beispiel für die Suche Drebers nach dem ›absoluten Meisterwerk‹ (Honoré de Balzac) dar. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung 1868, Berlin, 1868
– Akademische Kunstausstellung, Dresden, Königlichen Akademie der bildenden Künste, 28.6.-27.9.1868
– I. Internationale Kunstausstellung, München, Glaspalast, 20.7.-31.10.1869
– Werke des Landschaftsmalers Heinrich Franz-Dreber gest. 1875. Erste Sonderausstellung in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, Berlin, Königliche National-Galerie, Mai - Juni 1876

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1876: Werke des Landschaftsmalers Heinrich Franz-Dreber, gest. 1875, bearb. v. Max Jordan, Ausst.-Kat. Königliche National-Galerie zu Berlin 1876, Kat.-Nr. 18
– Ausst.-Kat. Berlin 1868: 46. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste. Verzeichniß der Werke lebender Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1868, Kat.-Nr. 158
– Ausst.-Kat. München 1869: Katalog zur I. internationalen Kunstausstellung im Königlichen Glaspalaste zu München, Ausst.-Kat. Königlicher Glaspalast, München, 20.7.-31.10.1869, S. 26, Kat.-Nr. 565
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 1, S. 252, Kat.-Nr. 20
– Haym 1845: Rudolf Haym, Heinrich von Treitschke (Hrsg.), Preußische Jahrbücher, Berlin, Stilke, 1845 ff., XXIV, 1869, S. 629 f.
– Justi 1951: Ludwig Justi, Ausstellung in der Nationalgalerie 1951, Berlin, Das Neue Berlin, 3. Aufl., S. 52
– Lichtenberg/Jaffé 1907: Reinhold von Lichtenberg und Ernst Jaffé, Hundert Jahre deutsch-römischer Landschaftsmalerei, Berlin, Oesterheld, 1907, S. 102 f.
– Lützow/Osborn 1866: Carl von Lützow und Max Osborn (Hrsg.), Zeitschrift für bildende Kunst. Mit dem Beiblatt "Kunst-Chronik", Leipzig 1866-1889, 1890-1939, XI, 1876, Sp. 685
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1878-1902, Kat.-Nr. 407
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 204 mit Abb.
– Pecht 1869: Friedrich Pecht, in: Augsburger Allgemeine Zeitung, (Sept. 1869), Nr. 244, Beilage
– Preller 1904: Friedrich Preller der Jüngere, Tagebücher des Künstlers, hrsg. v. Max Jordan, München, Vereinigte Kunstanstalten, 1904, S. 57
– Schöne 1940: Richard Schöne und Wolfgang Schöne, Heinrich Dreber, Berlin 1940, S. 65, 79, 82-84, 167 f., Kat.-Nr. 40, Abb. 72


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