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Der Widerspenstige
  • Der Widerspenstige
  • Bild & Skizze
  • Wilhelm Busch (15.4.1832 - 9.1.1908), Maler
  • um 1875
  • Öl auf Holz
  • 24,3 x 29,3 cm
  • Ident.Nr. A III 872
  • 1909 Ankauf von Prof. Adolf Nöldeke, Verden, aus der Wilhelm-Busch-Ausstellung des Vereins Berliner Künstler
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Beschreibung
Provenienz
An drei verschiedenen Studienorten weilte Wilhelm Busch »um Maler zu werden« (zit. nach: H., A. und O. Nöldeke, Wilhelm Busch, München 1909, S. 13), bevor er diesen Traum aufgab und seinen Weg als Karikaturist, Zeichner und Verfasser hintersinniger Bildgeschichten gefunden hatte. 1851 war er an der Kunstakademie in Düsseldorf, 1852 in Antwerpen, 1854 ging er das erste Mal nach München. Erst nach seinem Tod wurde allgemein bekannt, daß Wilhelm Busch dennoch sein Leben lang gemalt hatte. Er hinterließ fast tausend meist kleinformatige Bilder, entstanden in Pausen, etwa wenn er eine größere Arbeit für den Verleger beendet hatte. Für seine Malerei war Wilhelm Busch der Aufenthalt in Antwerpen zum entscheidenden Erlebnis geworden: »In Antwerpen sah ich zum erstenmal im Leben die Werke alter Meister: Rubens, Brouwer, Teniers; später Frans Hals. Ihre göttliche Leichtigkeit der Darstellung, die nicht patzt und kratzt und schabt, diese Unbefangenheit des guten Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht, dabei der stoffliche Reiz eines schimmernden Juwels, haben für immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen; und gern verzeih ich’s ihnen, daß sie mich zu sehr geduckt haben, als ich’s je recht gewagt hätte, mein Brot mit Malen zu verdienen, wie manch anderer auch« (zit. nach: ebd., S. 16).
Die kleinen Ölskizzen Wilhelm Buschs blieben bis auf die späten Landschaften dem so bewunderten altniederländischen Vorbild verbunden. Die Bilder der siebziger Jahre zeichnen sich durch die Vorliebe für eine fast monochrome Tonigkeit aus, Braun- und Rottöne überwiegen. Busch malte seine Bilder mit raschen, skizzierenden Pinselstrichen, so den Bezug zu seiner Zeichenkunst wahrend. Der Farbauftrag ist oft dünn, Teile des Malgrundes bleiben unbedeckt und die Holzmaserung sichtbar. Die Malweise ist von Frans Hals beeinflußt, den er noch mehr als »Rubens und Rembrandt und Van Dyck« (ebd., S. 79) schätzte. Die Motive, kleine Szenen mit zwei oder drei Personen aus dem ländlichen Arbeitsalltag, dem Leben im Haus, mit Streit und Züchtigung der Kinder, den unvermeidlichen Wirtshausdarstellungen scheinen eher dem Werk des Adriaen Brouwer oder der Brüder Ostade entlehnt. Wilhelm Busch mochte nur gestalten, was er kannte. So fand die bäuerliche Welt in seine Bilder und Bildgeschichten entschiedener Eingang als das Leben in den Städten, und eine besondere Bedeutung besitzt die Darstellung von Kindern. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: W Busch

AUSSTELLUNGEN
– Wilhelm Busch, Berlin, Künstlerhaus, Okt. 1908
– Galerie Heinemann I, München, Galerie Heinemann, 1908
– Wilhelm Busch, der Maler und Zeichner (Wilhelm-Busch-Jubiläumsausstellung), Hannover, Provinzial-Museum, April - Juli 1932
– Das Sittenbild, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im Prinzessinnenpalais, Dez. 1936 - Jan. 1937
– Adolph Menzel und seine Zeit. Gemälde der Berliner National-Galerie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, Celle, Herzogschloß, 19.12.1949-12.2.1950
– Familie. Ideal und Realität. Niederösterreichische Landesausstellung 1993, Riegersburg (Niederösterreich), Barockschloß Riegersburg, Mai - Juli 1993

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1936: Das Sittenbild, Deutsche Kunst seit Dürer IV, hrsg. v. Adolf Ernst Napp, Ausst.-Kat. Nationalgalerie Berlin 1.12.1936 - 31.1.1937, S. 22, Kat.-Nr. 114
– Ausst.-Kat. Celle 1949: Adolph Menzel und seine Zeit. Gemälde der Berliner National-Galerie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Lothar Pretzell, Ausst.-Kat. Schloss Celle 19.12.1949-12.2.1950, S. 14, Kat.-Nr. 8
– Ausst.-Kat. Riegersburg 1993: Familie. Ideal und Realität, hrsg. v. Elisabeth Vavra, Ausst.-Kat. Barockschloß Riegersburg 1993, S. 430, Kat.-Nr. 3.2.35 mit Farbabb.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 46
– Gmelin 1979: Hans Georg Gmelin, "Beim Landarzt und die Züchtigung des Kindes. Zwei Wilhelm-Busch-Themen der siebziger Jahre", in: Wilhelm-Busch-Jahrbuch 1978, Hannover, Wilhelm-Busch-Gesellschaft, 1979, S. 32, Anm. 16, Abb. 11
– Keisch 2005: Die Alte Nationalgalerie Berlin, hrsg. v. Claude Keisch, London, Beck, Scala, 2005, S. 105, Kat.-Nr. 114 mit Farbabb.
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 77 f. mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 136 mit Abb.
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 78 f., Kat.-Nr. 78, Farbabb. S. 79
– WVZ Gmelin 1980: Hans Georg Gmelin, Wilhelm Busch als Maler. Mit einem vollständigen Werkverzeichnis nach Vorarbeiten von Reinhold Behrens, Berlin, Mann, 1980, S. 265 f., Kat.-Nr. 296 mit Abb.


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