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Der Wunderbrunnen
  • Der Wunderbrunnen
  • Bild
  • Osman Hamdy Bey (31.12.1842 - 24.2.1910), Maler
  • 1904
  • Öl auf Leinwand
  • 200 x 151 cm
  • Ident.Nr. A II 842
  • 1925 vom Kaiser-Friedrich-Museum Berlin (heute Gemäldegalerie) an die Nationalgalerie überwiesen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Ein bärtiger Mann mit markanten Gesichtszügen, in ein seidenes Gewand gekleidet, liest in einer Handschrift. Auf einem Teppich stehend, lehnt er sich an einen mit Perlmutteinlagen besetzten Korankasten vor einer Brunnennische. Viele Facetten der komplexen Figur des Osman Hamdy Bey – historisch versierter Maler, Politiker, Autor und Museumsdirektor – scheinen sich in jenem orientalisierenden Genrebild zu spiegeln, das Objekte des islamischen Kunsthandels, klassisch osmanische Architektur und orientalisch anmutendes Kostüm kombiniert.
Schon 1873 hatte der Künstler mit »Les Costumes populaires de la Turquie« einen bedeutenden Beitrag zur Bestimmung lokaler Tradition in der osmanischen Moderne geleistet. Auch dienten ihm Fotografien von sich oder seinen Modellen in historischen Kostümen gelegentlich als malerische Vorlage. So zeigt auch »Der Wunderbrunnen« eine nicht mehr zeitgemäß gekleidete Person: Der türkische oder arabische Osmane trug um die Jahrhundertwende längst Anzug und Fez. Der goldene Krug rekurriert auf das 18. Jahrhundert und die Kalligraphie unter anderem auf den Gründer eines Sufi-Ordens, während der Koranschrein der Sammlung des Topkapı-Palasts entstammt. Für die Brunnennische aus dem 16. Jahrhundert schließlich findet sich die Vorlage im ältesten osmanischen Gebäude Istanbuls, im Çinili Köşk von 1472, der Teil des Kaiserlichen Antikenmuseums war. Dessen Direktor war Osman Hamdy Bey. So verschmelzen im Bild Elemente des Vergangenen zu einem gemalten ›Musée sentimentale‹ – mit weitreichender Bedeutung: Denn der Historismus im Gewand des europäischen Orientalismus und die Entdeckung eines eigenen Kulturerbes waren für die Entstehung der osmanischen Archäologie ebensowichtig wie für die Entwicklung einer nationalen Identität. | Philipp Demandt


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: O. Hamdy Bey. / 1904

AUSSTELLUNGEN
– Osman Hamdi Bey and the Americans - Archaeology, Diplomacy, Art, Istanbul, Pera-Museum, 15.10.2011-08.01.2012
– Globale Resonanzen (AT), Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2015: Wie die islamische Kunst nach Berlin kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre (1865-1945), hrsg. v. Julia Gonnella und Jens Kröger, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst, 23.102015-24.1.2016, Umschlagabb., S. 50-52
– Ausst.-Kat. Berlin 2015: Wie die islamische Kunst nach Berlin kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre (1865-1945), hrsg. v. Julia Gonnella und Jens Kröger, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst, 23.102015-24.1.2016
– Ausst.-Kat. Istanbul 2011: Osman Hamdi Bey and the Americans, Archeology, Diplomacy, Art, Ausst.-Kat. The Suna and Inan Kıraç Foundation Pera Museum, Istanbul, 14.10.2011-8.1.2012, S. 194, Kat.-Nr. 33 mit Farbabb.
– Cezar 1995: Mustafa Cezar, Sanatta Batı'ya Açılış ve osman Hamdi, 2 Bde., Istanbul, Ada Yayınları, 1995, Bd. II, Farbtaf. S. 714
– Eldem, Edhem 2012: Eldem, Edhem, Making sense of Osman Hamdi Bey, in: Muqarnas: an annual on the visual cultures of the Islamic world, (2012), Bd. 29, S. 339-383
– Eldem 2012: Edhem Eldem, Making Sense of Osman Hamdie Bey and His Paintings, in: Muquarnas, an Annual on Visual Cultures of the Islamic World, Bd. 29 (2012), S. 339-383, S. 355 ff., vgl. Abb. 11
– Haupt 2015: Klaus-Werner Haupt, Osman Hamdi Bey und der Brunnen des Lebens, in: ders., Okzident und Orient. Die Faszination des Orients im langen 19. Jahrhundert, Weimar, Weimarerer Verlagsgesellschaft, 2015, S. 180-185, S. 184, Abb. S. 190
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 330 mit Abb.
– Thalasso 1910: Adolphe Thalasso, Die orientalischen Maler der Türkei, Berlin, Internationale Verlagsanstalt für Kunst und Literatur, 1910, S. 15, 21 ff., Farbtaf. S. 39
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 15, 1922, S. 544
– Zentralarchiv SMPK, J.Nr. 950/34. - Acta (...) Hamdy Bey, 1888 ff., Specialia. - Acta Ausleihungen an den Reichs-Minister des Auswärtigen, 1920 ff., ad Spezialia 1 Berlin 16 (zwei Briefe vom April Mai 1934. - Acta Generalia 9, Bd. 1, Gemälderestaurationsarbeiten 1875-1935


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