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Ruth und Naemi
  • Ruth und Naemi
  • Bild
  • Julius Hübner (27.1.1806 - 7.11.1882), Maler
  • 1830/1831
  • Öl auf Leinwand
  • 118 x 99 cm
  • Ident.Nr. A II 832
  • 1876 aus kaiserlichem Besitz an die Nationalgalerie überwiesen; 1945 verschollen; 2005 im Handel wieder aufgetaucht und zurückerworben
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Für die Künstler der Düsseldorfer Malerschule, der Julius Hübner angehörte und deren Ausrichtung er entschieden mitprägte, spielte die Verflechtung zwischen Themen bildender und poetischer Kunst eine besondere Rolle. Das programmatische Postulat des Akademiedirektors Wilhelm Schadow, ein Gemälde müsse eine dichterische Idee in Form und Farbe sein, wurde für seine Schüler zum verbindlichen Kriterium. Das Interesse der Künstler um Schadow war zunächst fast ausschließlich auf romantische Literatur, geschichtliche Stoffe und biblische Themen gerichtet. Herausragende Frauengestalten, wie etwa in Hübners Gemälde »Ruth und Naemi« dargestellt, gehörten zu den bevorzugten Motiven. Das Gemälde entstand im Auftrag des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.), des späteren ›Romantikers auf dem Thron‹. Einige Jahre zuvor, 1826, zeigte Hübner auf der Berliner Akademieausstellung »Ruth und Boas«, ein thematisch verwandtes Werk. Es wurde von König Friedrich Wilhelm III. erworben (ehemals Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam, Kriegsverlust). In »Ruth und Naemi« ist jene Szene aus dem Buch Ruth im Alten Testament wiedergegeben, in der Naemi nach dem Tod ihrer Söhne beschließt, in die Heimat zurückzukehren. Da die Lage dort aufgrund von Hungerkatastrophen gefährlich ist, fordert Naemi ihre Schwiegertöchter Ruth und Arpa auf, zurückzubleiben. Während Arpa weinend dem Wunsch Naemis folgt, lehnt Ruth Naemis Bitte ab. Sie begehrt, bei ihr zu bleiben und das ungewisse Schicksal Naemis zu teilen.
Bereits die Nazarener und später die Düsseldorfer Maler bevorzugten Darstellungen aus dem Buch Ruth, in denen sie die Ideale von Treue, Freundschaft und reiner Liebe gespiegelt sahen. Für sie wurde die Figur der Ruth als Stammutter des Hauses David und Urahnin Jesu – neben Maria – zu einer der wichtigsten Frauengestalten.
Die Landschaft im Hintergrund gewährt einen Ausblick auf den Golf von Neapel, eine Lieblingslandschaft des Auftraggebers, der diese Gegend 1828 bereist hatte. 1876, anläßlich der Eröffnung der Nationalgalerie, wurde das Gemälde aus kaiserlichem Besitz überwiesen. | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. Mitte unten: J H 1831 Roma

AUSSTELLUNGEN
– Kriegsverloren und wiedergewonnen. Julius Hübners "Ruth und Naemi", Berlin, Alte Nationalgalerie (Kabinettausstellung), 29.2.-12.5.2008
– Verlust und Wiederkehr. Verlorene und zurückgewonnene Werke der Nationalgalerie, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 10.12.2010-6.3.2011

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1832: 27. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste. Verzeichniß der Werke lebender Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1832, S. 23, Kat.-Nr. 288
– Ausst.-Kat. Berlin 1925: Julius Hübner. 1806-1882, hrsg. von Hans Mackowsky, Ausst.-Kat. National-Galerie Berlin 12.1925-1.1926, S. 13, Kat.-Nr. 5
– Ausst.-Kat. Berlin 2010: Verlust und Wiederkehr. Verlorene und zurückgewonnene Werke der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin, 10.12.2010-6.3.2011, S. 37, Abb. S. 21
– Ausst.-Kat. Düsseldorf 2011: Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819-1918, hrsg. v. Bettina Baumgärtel, Ausst.-Kat. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 24.9.2011-22.1.2012, Bd. 1, S. 386-388 mit Abb.
– Bernhard/Martin 1965: Marianne Bernhard und Kurt Martin, Verlorene Werke der Malerei. In Deutschland in der Zeit von 1939 bis 1945 zerstörte und verschollene Gemälde aus Museen und Galerien, hrsg. v. Klaus P. Rogner, München, Berlin, Ackermann, Henschel, 1965, S. 38
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 2, S. 611, Kat.-Nr. 8
– Brauner/Maaz/Strohschein 2001: Dokumentation der Verluste. Band II. Nationalgalerie, bearb. v. Lothar Brauner, Bernhard Maaz und Ruth Strohschein, Berlin, Staatliche Museen, 2001, S. 55
– Jahrbuch Berliner Museen 1959: Jahrbuch der Berliner Museen [ehem. Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen], Berlin, Mann, 1959ff., 50. Band, 2008, S.155-163, Farbtaf. 1, S. 156, vgl. Farbabb. 2 (in der Ausstellung)
– Koetschau 1926: Karl Koetschau (Hrsg.), Rheinische Malerei in der Biedermeierzeit / zugleich ein Rückblick auf die Jubiläums-Ausstellung Düsseldorf 1925 der Jahrtausendfeier der Rheinlande, Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1926, vgl. Taf. S. 225
– Museumsjournal: Museumsjournal. Berichte aus den Museen, Schlössern und Sammlungen in Berlin und Potsdam, Berlin, 22. Jg., Nr. I, Januar-März 2008, S. 38 f. und S. 39 (restauriert)
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1907, Kat.-Nr. 146
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 390 mit Abb.
– Schorn 1820-1848: Ludwig Schorn (Hrsg.), Kunstblatt, Stuttgart, Tübingen, Cotta'sche Buchhandlung, 1820-1848, Jg. 10, 1829, N° 9, S. 35
– WVZ Monschau-Schmittmann 1993: Birgid Monschau-Schmittmann, Julius Hübner. Leben und Werk eines Malers der Spätromantik (Dissertation), Hamburg 1993, S. 180 f., 247, Nr. 30 , Abb. 43


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