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Christina von Schönberg, geb. Fiennes-Lumlay
  • Christina von Schönberg, geb. Fiennes-Lumlay
  • Bild
  • Ferdinand von Rayski (23.10.1806 - 23.10.1890), Maler
  • um 1864/1868
  • Öl auf Leinwand
  • 92 x 78 cm
  • Ident.Nr. A II 84
  • 1915 Ankauf von der Kunsthandlung Paul Cassirer, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Zu den Familien, mit denen Rayski als Porträtist wie als Freund jahrzehntelang in Verbindung stand, gehörten die von Schönbergs, ein besonders weitverzweigtes sächsisches Adelsgeschlecht. Immer wieder war der Künstler in Herzogswalde zu Gast, wo der sachsen-coburg-gothaische Kammerherr Erich von Schönberg (1812–1883) von seinen langen Forschungsreisen durch Kleinasien, Ägypten, Südafrika, Indien, Persien und den Kaukasus erzählte. Zwei große Bilder von Rayski zeigen ihn als Ganzfigur in der Landschaft, als Afrikareisenden und als Löwenjäger (beide 1848/50, Privatbesitz, vgl. Ferdinand von Rayski in der Dresdener Galerie, Ausst.-Kat., Dresden 2006, S. 78–81). 1863 heiratete Schönberg in zweiter Ehe die Engländerin Christina Fiennes-Lumlay (1838–1903), und nicht lange darauf entstand ihr Porträt.
Es gehört schon Rayskis letzter Schaffensperiode an, in der zunehmend eine flüssige, lockere Pinselsprache zu beobachten ist. So gezügelt die Haltung der jungen Frau mit dem erwartungsvollen, geraden Blick und den melancholisch unbeschäftigten Händen, so gerafft ist ihr Sichaufrichten, so flüssig und eilig gleitet der Pinsel über die Bildfläche, verteilt die frischen Fleischtöne, hebt das Rosa der Wangen, suggeriert das tiefe Samtschwarz der Jacke und das musselinleichte Weiß des Kleides, umspielt mit lockeren, weißen Strichen sehr summarisch Manschetten und Stoffalten und deutet auch Ärmelfalten mit hellen Linien so skizzenhaft an wie selten. An solchen Stellen wurde die Arbeit offenbar unterbrochen, und dies stimmt zu einer Überlieferung, wonach die Familie mit dem Werk unzufrieden gewesen sei. Auch in diesem Entstehungsstadium sind schon (oder noch?) einige rote und gelbe Flecken gesetzt, die, von der Gegenstandsdarstellung abgelöst, die Farbigkeit insgesamt unterstreichen – auch die des Hintergrundes: ein abgestuftes, nach unten hin aufgehelltes Grün, das Landschaft suggeriert und vor welchem das Inkarnat aufblühen kann. Als Otto Grautoff 1923 nach einem Zeugnis dafür suchte, daß »in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der Stille der deutschen Provinz ein Maler wirkte, der unabhängig von französischen Vorbildern« (Ferdinand von Rayski, Berlin 1923, S. 13) sich mit Manet vergleichen ließ, wählte er unter allen Bildern seiner Rayski-Monographie dieses. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Ferdinand von Rayski, 1806-1890, Berlin, Galerie Paul Cassirer, Dez. 1915
– Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie
– Weltschätze der Kunst - der Menschheit bewahrt. Ausstellung anläßlich des 40. Jahrestages des Sieges über den Hitlerfaschismus und der Befreiung des deutschen Volkes, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin im Alten Museum, 13.3.-23.5.1985
– Ferdinand von Rayski. 1806-1890. Ausstellung zum 100. Todestag, Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Albertinum, 1990
– Ferdinand von Rayski. 1806-1890. Ausstellung zum 100. Todestag, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, 1991

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1915: Ferdinand von Rayski, 1806-1890, Ausst.-Kat. Galerie Paul Cassirer, Berlin, Dezember 1915, Kat.-Nr. 32
– Ausst.-Kat. Berlin 1958: Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Ausst.-Kat. Pergamonmuseum, Berlin 1958; Nationalgalerie, Berlin 1958, Kat.-Nr. H 59
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Gemälde Bildwerke Zeichnungen. Bildband 1, hrsg. v. Martin Ohlsberg, Ausst.-Kat. Berlin 1961, o. S., Taf. 23
– Ausst.-Kat. Berlin 1985: Weltschätze der Kunst - der Menschheit bewahrt. Ausstellung anlässlich des 40. Jahrestages des Sieges über den Hitlerfaschismus und der Befreiung des deutschen Volkes, hrsg. v. Arne Effenberger, Rainer Michaelis und Hermann Simon, Ausst.-Kat. Nationalgalerie im Alten Museum, Berlin 13.3.-23.5.1985, S. 205, Kat.-Nr. 203 ("Christina von Schoenberg"), Taf. S. 203
– Ausst.-Kat. Dresden 1990: Ferdinand von Rayski 1806-1890. Ausstellung zum 100. Todestag, Ausst.-Kat. Albertinum, Dresden 1990; Städtische Galerie im Lehnbachhaus, München 1991, S. 89 f., Kat.-Nr. 149, Farbtaf. 15, S. 64
– Ausst.-Kat. Wiesbaden 2015: Aus dem Neunzehnten. Von Schadow bis Schuch, hrsg. v. Peter Forster, Ausst.-Kat. Museum Wiesbaden 13.11.2015-22.5.2016, S. 70, Abb. 1
– Goeritz 1940: Mathias Goeritz, Ferdinand von Rayski und die Stellung seiner Kunst im 19. Jahrhundert (Dissertation), Berlin, Funk, 1940, S. 53
– Goeritz 1942: Mathias Goeritz, Ferdinand von Rayski und die Kunst des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin, Hans von Hugo, 1942, S. 165-169, Taf. S. (167) und (168) [Detail]
– Grautoff 1923: Otto Grautoff, Ferdinand von Rayski, Berlin, Grote, 1923, S. 13 (Zitat), 54 f., 67, 73, 79, Abb. S. 191
– Justi 1926: Ludwig Justi, Paul Ortwin Rave und Ludwig Thormaehlen, Zweihundert Bilder der Nationalgalerie. Erworben 1910 bis 1925 von Ludwig Justi, Berlin, Bard, 1926, S. 14, Taf. 43
– Maaz 1996: Bernhard Maaz (Hrsg.), Alte Nationalgalerie Berlin, München, New York, Prestel, 1996, S. 64, Kat.-Nr. 80 mit Farbabb.
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1918-1934, Kat.-Nr. 1287
– Nationalgalerie 1945: Paul Ortwin Rave (Hrsg.), Die Malerei des XIX. Jahrhunderts. 240 Bilder nach Gemälden der National-Galerie, Berlin, Gebr. Mann, 1945, S. 19, Taf. 119
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Farbtaf. XIII
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 684 mit Abb.
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin, Mann, 1949, S. 316, Taf. 129
– Ruthenberg/Heese 1963: Vera Ruthenberg und Walter Heese, Nationalgalerie, Leipzig, Seemann, 1963, S. 24, Farbtaf. 31
– Singer 1937-1938: Hans Wolfgang Singer, Neuer Bildniskatalog, Leipzig, Hiersemann, 1937-1938, Bd. IV, 1938, Kat.-Nr. 3237 b
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 334, Kat.-Nr. 388 mit Farbabb.
– WVZ Walter 1943: Maräuschlein Walter, Ferdinand von Rayski. Sein Leben und sein Werk, Bielefeld, Leipzig 1943, S. 78, 297, Kat.-Nr. 748, Abb. 77


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